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1. Grundlagen – Übersicht
2. Wirtschaft
   2.1 Wirtschaftsstruktur
   2.2 Wirtschaftspotential
3. Wirtschaftliche Entwicklung / Wirtschaftswachstum
4. Binnenwirtschaft
5. Wirtschaftssektoren
   5.1 Industrie
   5.2 Landwirtschaft
   5.3 Bergbau
   5.4 Energie
   5.5 Finanzsektor
6. Außenwirtschaftsbeziehungen
   6.1 Außenhandel und Investitionen
   6.2 Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland
7. Wirtschafts- und Finanzpolitik
8. Geld- und Währungspolitik
9. Entwicklungspolitik
10. Perspektiven und Herausforderungen



1. Grundlagen – Übersicht

Brasilien zählt zu den bedeutendsten Schwellenländern. Seine dynamische, in vielen Sektoren bereits weit entwickelte Volkswirtschaft nimmt gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) weltweit den 10. Platz ein und leistet die Hälfte des gesamten südamerikanischen Wirtschaftsbeitrages. Sie steht auf starken Füßen: einem bedeutenden Binnenmarkt und zunehmender Exportstärke, einem großen Ressourcenpotential, der Erzeugung in Landwirtschaft und Industrie sowie einem wachsenden Dienstleistungssektor. Zugleich bleiben in Teilbereichen die Widersprüchlichkeiten zwischen Erster und Dritter Welt: in den regionalen Ungleichgewichten zwischen einem vergleichsweise entwickelten Südosten und Süden und einem deutlich dahinter zurückgebliebenen Nordosten und Norden, in einer stark ungleichen Eigentums- und Einkommensverteilung, Armutsgürtel um Ballungszentren sowie in hochmodernen Unternehmenssektoren und traditionellen, informellen Wirtschaftssektoren.
Rohstoffreichtum und –export kennzeichneten Brasilien seit kolonialen Tagen: Zunächst Brasilholz, Zuckerrohr, Gold, Edelsteine, im 19. Jahrhundert ergänzt um Kautschuk und Kaffee, im 20. Jahrhundert der Abbau von Bergbauprodukten, insbesondere Eisenerz, und mit dem Aufbau einer nationalen Industrie deren zunehmende Verarbeitung im Lande sowie die Erschließung von erheblicher Rohölquellen. Die Landwirtschaft nimmt bei der Erzeugung von Soja, Zucker, und daraus gewonnenem KfZ-Treibstoff Ethanol, Kaffee sowie der Produktion von Rindfleisch und Geflügel Spitzenplätze der Weltrangliste ein. Die Industrie, seit den 30er Jahren vom Staat umfassend gefördert, ist breit gefächert und trägt mit über

50 % zu den Exporten bei. Ihre besonderen Stärken liegen im KfZ- und Flugzeugbau, im Stahlsektor, in der Kraftwerkstechnik, bei Maschinen, Ausrüstungen und Elektronik sowie in der Textil- und Lederwarenfertigung. Im Dienstleistungssektor ist ein leistungsfähiges und dynamisches Banken- und Telekommunikationsnetz zu verzeichnen.

2. Wirtschaft

2.1.Wirtschaftsstruktur
Brasilien verfügt über ein großes Wirtschaftspotential und eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur. Der Agrarsektor trägt mit 6 %, die Industrie mit 29% und der Dienstleistungssektor mit 66 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Rechnet man Weiterverarbeitung, Handel und Transport von Agrarprodukten hinzu, hat das Agrobusiness für die brasilianische Wirtschaft weiter eine zentrale Bedeutung. Die Besitzstruktur der brasilianischen Landwirtschaft zeichnet sich durch eine hohen Konzentration aus. Die Wirtschaftskraft ballt sich weiterhin stark im Südosten und Süden des Landes. In der Südost-Region sind entsprechend mehr als die Hälfte der Beschäftigten und 63 % der Wertschöpfung der Industrie angesiedelt, gefolgt vom Süden des Landes mit 25 % Beschäftigten- und 17 % Wertschöpfungsanteil. Der Süden und der Nordosten (insbesondere Bahia und Ceará) konnten in den letzten Jahren ihre jeweiligen Anteile etwas steigern. 69% der industriellen Wertschöpfung wird von Unternehmen mit über 500 Beschäftigten erbracht, während Kleinunternehmen mit 5-29 Beschäftigten lediglich mit 5% dazu beitragen. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der brasilianischen Wirtschaft ist weiterhin dem informellem Wirtschaftssektor zuzurechnen.
Trotz der zunehmenden Öffnung der brasilianischen Wirtschaft und ihrer Integration in die Weltwirtschaft seit den 90er Jahren hat Brasilien mit einem Anteil extern gehandelter Güter am Bruttoinlandsprodukt von 26% (Exportquote 14 %, Importquote 12 % ;2007) im internationalen Ländervergleich weiterhin einen relativ niedrigen Offenheitsgrad (Exportquote China: 40 %).

2.2. Wirtschaftspotential
Zu den bedeutenden Wirtschaftspotentialen Brasiliens zählen die umfangreichen Rohstoffressourcen, die eine wachsende Nachfrage am Weltmarkt haben, insbesondere auch aus China, Indien und sonstigen Schwellenländern, eine de facto Selbstversorgung beim Erdöl, expandierende Weiterverarbeitungskapazitäten im Lande selbst, Aufgeschlossenheit gegenüber Auslandsinvestitionen und Innovationen, Produktivitätsfortschritte in modernen Wirtschaftssektoren, Bereitschaft zu Anpassungen an die Anforderungen des Weltmarktes, einsatzfreudige und lernbereite Arbeitskräfte sowie flexible Mechanismen zur Lösung von Konflikten in Wirtschaft und Verwaltung. Der Ausbau der infrastrukturellen Ausstattung in den letzten zwei Jahrzehnten ist eindrucksvoll, muss aber weiter gesteigert werden, um den Anforderungen der dynamischen Wirtschaftsentwicklung gerecht zu werden.

3. Wirtschaftliche Entwicklung / Wirtschaftswachstum

Brasiliens Wirtschaft zeigt sich Mitte 2008 in einer sehr guten Verfassung. Die Wachstumsrate war im Jahre 2007 mit 5,4% doppelt so hoch wie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Sie stieg auch im ersten Vierteljahr 2008 gegenüber der gleichen Vorjahrsperiode weiter um 5,8%. Dies weist darauf hin, dass das Land seine Wachstumskräfte mobilisieren und frühere Engpässe überwinden konnte. Das Pro-Kopf-Einkommen erreichte R $ 13.515 (ca. $ 6.843). Erfreulich ist, dass sich auch die sonstigen zentralen ökonomischen Indikatoren positiv präsentieren: Die Inflationsrate lag 2007 mit 4,5 % im Zielkorridor, der Überschuss des Primärhaushaltes von 3,8 % des BIP entsprach der angestrebten Größenordnung und die Außenwirtschaftssituation ist mit einem Handelsbilanzüberschuss von $ 40 Mrd. sowie um $ 95 Mrd. erhöhte Währungsreserven sehr robust. Für 2008 wird trotz der Wirtschaftsrisiken in den USA weiter mit einem Wachstum von 4,5 bis 5 % gerechnet. Dagegen werden angesichts der boomenden Binnennachfrage und des gestiegenen Inflationsdrucks die Inflations- und Handelsbilanzwerte 2008 etwas ungünstiger ausfallen. Brasilien hat aber im Gegensatz zu früheren Perioden seine Verwundbarkeit gegenüber externen Störungen aufgrund der konsolidierten Außenwirtschaft deutlich reduzieren können. Die brasilianische Wirtschaft erhält derzeit ebenfalls Impulse aus einer wachsenden Binnenwirtschaft, darunter aus der expandierenden Industrie und Bauwirtschaft. Eine steigende Zahl von Arbeitsplätzen, insbesondere auch im formellen Arbeitsmarkt, in dem ca. 50% aller Beschäftigten tätig sind, lässt die Einkommen wachsen und ermöglicht eine breitere Einkommensverbesserung. Die günstige Wirtschaftssituation verbessert auch den Spielraum für die Regierung, das weiter bestehende Armutsproblem – rd. ein Fünftel der Bevölkerung lebt weiterhin unter der Armutslinie - im Lande anzugehen. Insgesamt werden die positiven Antriebskräfte im laufenden Jahr fortwirken: eine starke Inlandsnachfrage, steigende Investitionen in der privaten Wirtschaft und im öffentlichen Sektor sowie eine weiter wachsende externe Nachfrage nach brasilianischen Exportgütern, insbesondere metallischer und agrarischer Herkunft.

4. Binnenwirtschaft

Die Binnenwirtschaft hat sich spürbar belebt. Die Binnennachfrage – privater Konsum, öffentlicher Verbrauch und Kapitalbildung – stieg 2007 um 6,6 % und war damit wesentliche Antriebskraft des wirtschaftlichen Wachstums. Die größere Kaufkraft der Bevölkerung basiert auf erhöhten Realeinkommen, zu der die gestiegene Beschäftigung am Arbeitsmarkt beitrug. Eine wachsende Industrieproduktion und die steigende Auslastung ihrer Kapazitäten sowie die Umsatzbelebung generell ließ die Zahl der formellen Arbeitsplätze in den letzten anderthalb Jahren spürbar ansteigen, nach Angaben des Arbeitsministerium um ca. 2,6 Mio. Entsprechend sank nach IBGE-Angaben die Quote der erfassten Arbeitslosen von 10% Anfang 2007 auf 8,5 % im März 2008. Nachfragewirksam machten sich ebenfalls erhöhte Einkommenstransfers der Regierung Lula zugunsten der ärmeren Bevölkerung im Rahmen des Programmes „Bolsa-Familia“ bemerkbar. Belebend wirkte sich auch der Rückgang der realen Zinssätze auf die Nachfrage aus. Geringere Finanzierungskosten und Kreditexpansion stimulierten den Erwerb von langfristigen Konsumgütern (Automobile etc.) und Immobilien sowie die Nachfrage nach Kapitalgütern. Die Anlageinvestitionen wuchsen 2007 um rd. 13 % (1. Vj.2008: + 15%) und stellten den wichtigsten Stimulator für die Industrieproduktion dar. Diese Belebung der Investitionstätigkeit ist von großer Bedeutung für den langfristigen Entwicklungsprozess Brasiliens. Die derzeitige Investitionsquote Brasiliens von 17,9 % des BIP (Sparquote: 17,7%) ist im Vergleich zu asiatischen Wachstumsländern niedrig und muss deutlich angehoben werden, um langfristig ein erhöhtes Wirtschaftswachstum zu sichern. Die Regierung strebt entsprechend an, diese bis 2010 unter anderem durch steuerliche Anreize und langfristige Kredite auf 21% zu steigern. Bei den Investitionen schlagen auch die erheblichen ausländischen Direktinvestitionen zu Buche. Daneben sind aber ebenfalls die Investitionen der öffentlichen Hand von maßgeblicher Bedeutung, um die erforderliche Basisinfrastruktur zu gewährleisten.

5. Wirtschaftssektoren

5.1. Industrie
Das derzeitige wirtschaftliche Wachstum wird maßgeblich von der Industrie mitgetragen. Der Anstieg der Produktion des verarbeitenden Sektors erreichte 2007 6 % und erstreckte sich auf zahlreiche Branchen. Die höchsten Zuwachsraten wiesen Agrarindustrie, Bauindustrie, Basismetallurgie und sonstige Metallprodukte, Chemie und die extraktive Industrie auf. Die KfZ-Produktion stieg 2007 um 14% auf knapp 3 Mio. Einheiten. Brasilien hat seine Produktionskapazitäten in der Stahlindustrie in den letzten Jahren stark ausgeweitet und steht heute weltweit an 10. Stelle in der Produktion. Die ansteigende Investitionstätigkeit im Lande hat auch den Maschinenbau deutlich belebt. Die positive industrielle Entwicklung wird dadurch unterstrichen, dass die Kapazitätsauslastung mit rd. 83% im März 2008 den höchsten Wert seit drei Dekaden erreichte. Der hohe Zuwachs bei der Kapitalgüterproduktion (akkumulierter Jahresdurchschnitt bis März 2008: + 20% gegenüber 6,6 % für die gesamte Industrie) lässt darauf schließen, dass Kapazitätsausbau und Modernisierungsprozess in der brasilianischen Industrie, die mit einer erhöhten Produktivität verbunden ist, weiter vorangetrieben werden. Die positive Entwicklung des Sektors hat sich auch 2008 fortgesetzt.

5.2. Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft entwickelte sich 2007 positiv (+ 5,3 %). Hierzu trugen eine wachsende inländische Nachfrage und dynamische Exporte bei. Die Landwirtschaft erbringt rd. 6 % des BIP. Geht man jedoch vom Agrobusiness-Konzept aus, das alle mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen verbundenen Aktivitäten wie Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Lagerung, Transport, Inputs, landwirtschaftliche Technologien etc. umfasst, trägt der agroindustrielle Komplex mit rd. einem Drittel zum BIP und zur Beschäftigung sowie mit 40 % zu den Exporten bei. Das Agrobusiness ist mithin einer der bedeutendsten, dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Mit $ 55 Mrd. erreichten die Exporte dieses Sektors 2007 einen historischen Rekordwert. Hieran ist vorrangig die großflächige Landwirtschaft beteiligt. Die hohe landwirtschaftliche Konzentration in Brasilien lässt sich aus folgenden Daten erkennen: auf rd. 10 % der Eigner entfallen etwa 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Zuckerrohr, Soja und Vieh werden auf großen Flächen mit oft modernster Technik angebaut bzw. gehalten. Andererseits bewirtschaften etwa 4 Mio. kleine und mittlere Betriebe mit 13 Mio. Beschäftigten eine Fläche von 20 % des Landes. Die Hälfte aller Grundeigentümer verfügt mit weniger als jeweils 10 ha über insgesamt nur 2,2 % der landwirtschaftlichen Fläche. Hierbei handelt es sich häufig um Minifundien, die oft kaum zur Subsistenzsicherung ausreichen. Die Regierung ist bemüht durch spezielle Förderprogramme (PRONAF) die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen. Ungelöste Probleme der Landlosen und Landarbeiter, die oft unter prekären Bedingungen tätig sind, führen immer wieder zu Konflikten mit Landeignern und staatlichen Institutionen. Großflächige Monokulturen und Flächenausweitungen in umweltrelevante Naturräume, darunter auch in den amazonischen Regenwald, stellen erhebliche ökologische Herausforderungen dar.

5.3. Bergbau
Der Bergbau nimmt eine wichtige Stellung in der Wertschöpfung der Industrie und im Export ein. Sein Beitrag zum BIP (einschl.Verarbeitung, aber ohne Erdöl und Gas) beläuft sich auf

5 %. Eine wachsende internationale Nachfrage und steigende Rohstoffpreise gaben dem Sektor in den beiden letzten Jahren starke Impulse. Abgesehen vom Erdöl sind die wichtigsten Bergbauprodukte Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Zinn, Silber, Diamanten, Gold und Uran. Brasilien stand 2007 weltweit bei der Produktion von Eisenerz an erster Stelle (370 Mio t, 92 % vom Bergbaukonzern VALE , vormals CVRD, abgebaut), bei Manganerz an 2. (1,3 Mio t, Vale) und bei Bauxit an 3. Stelle ( 23 Mio t, 78% Gesellschaft Mineração Rio do Norte ). 60% aller Edelsteine stammen aus Brasilien. Mineralische Exporte (Primär- und weiterverarbeitete Produkte) machten 2007 $ 47 Mrd. bzw. 29 % der Gesamtexporte aus. Auf die Hauptabnehmerländer USA, China, Argentinien und Japan entfielen davon insgesamt 42 %, auf Deutschland 5 %. Die größte brasilianische Bergbaugesellschaft VALE hat sich zum zweitgrößten Bergbauunternehmen der Welt entwickelt. Nach Schätzungen des Sektors werden sich die Investitionen in den kommenden 4 Jahren auf ca. $ 32 Mrd. belaufen, davon etwa die Hälfte im Eisenerzsektor. Hier verlaufen sie parallel zum weiteren Ausbau der Eisenhüttenindustrie, vor allem in den Staaten Minas, Rio und Espírito Santo.

5.4. Energie
Brasilien kann sich bei der Energieversorgung zu einem erheblichen Teil auf erneuerbare Energie stützen. Ihr Anteil an der nationalen Energiematrix war mit 46 % (2007) einer der höchsten weltweit (Durchnitt 13%). Basis hierfür sind die Derivate aus Zuckerrohr, Wasserkraft und Holz/Holzkohle. Bei den nicht-erneuerbaren Energien ist Erdöl mit 37% des gesamten Energieangebotes die wichtigste Quelle. Seit 2006 ist das Land bei der Erdölversorgung insgesamt Selbstversorger. Auf der Basis eigener Vorkommen und weiterer

Investitionsprogramme der unterdessen zu60 % im Privatbesitz befindlichen Erdölgesellschaft Petrobras wird die brasilianische Erdölproduktion von derzeit ca. 2 Mio. Barril pro Tag auf rd. 4 Mio. Barril bis 2020 ansteigen. Ihre Raffenerie-Kapazitäten betragen derzeit ca. 2,2 Mio b/d. Ein großer Teil der Reserven liegt im Tiefsee-Bereich des Atlantiks. Petrobras verfügt über das für deren Exploration notwendige know-how, muss dabei aber auch mit steigenden Produktionskosten rechnen. Aus eigenen Quellen kann Brasilien rd. die Hälfte seines Gasverbrauches decken, zusätzlich ist der Gasimport aus Bolivien bedeutsam. Das Land bemüht sich um die Entwicklung weiterer eigener Quellen und eine Diversifizierung des Imports. Ein zweites wichtiges Bein bei den Brennstoffen stellt die Ethanol-Produktion auf Zuckerrohr-Basis dar, die Brasilien nach der ersten Energiekrise Anfang der 70er Jahre im großen Umfang entwickelt hat. Das Land erzeugt heute mit hoher Wettbewerbsfähigkeit rd. ein Drittel der Weltzuckerproduktion auf einer Fläche von ca. 7 Mio ha, davon werden über 50 % für die Ethanolproduktion verwendet. Brasilien ist weltweit größter Produzent von Ethanol, 15 % werden hiervon exportiert. Steigende Erdölpreise der letzten Jahre und die Entwicklung von Flex-Fuel-Motoren für beliebige Mischungen aus Ethanol und Erdöl haben zu einer wachsenden Bedeutung von Ethanol am brasilianischen KfZ-Markt geführt. Ethanol deckt bereits mehr als 20 % des Treibstoffbedarfs des Landes. Autos mit Flex-Fuel-Motoren haben inzwischen einen Anteil am Neuwagen-Markt von 78 %. Produktion und Export von Ethanol werden in den nächsten Jahren spürbar ansteigen. Ergänzend strebt Brasilien einen zunehmenden Einsatz von Biodiesel an und plant eine Anhebung der Biodiesel-Beimischung von derzeit 2% auf 5 % ab 2013. Etwa 60% des in Brasilien produzierten Biodiesels entstammen aus Soja, nur circa 20% aus Rizinus und 20% aus verschiedenen anderen Ölsaaten wie Palmöl, Sonnenblumen oder Baumwolle. Die gegenwärtige Produktionskapazität beträgt 2,4 Mr. l. Bei rd. 0,8 Mrd. l. Inlandsverbrauch verbleiben rd. 1,6 Mrd. l für den Export. Energie- und Ökobilanz fallen bei Biodiesel allerdings ungünstiger aus als bei Ethanol. Während Kritiker den mit der Ausweitung der Ethanol- und Biodieselproduktion verbundenen Landbedarf (direkt oder indirekt) als Gefahr für die Regenwälder Amazoniens oder als Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion bewerten, verweist die Regierung auf ausreichend verfügbare Nutzflächen ohne solche negativen Effekte.
Bei der Stromerzeugung stützt sich Brasilien zu rd. 77 % auf Wasserkraft, 3,6 % Gas, 3,5 % Biomasse, 2, 8 % Erdöl und 2,5 % Atomkraft. Das weitere wirtschaftliche Wachstum kann nur bei einem deutlichen Ausbau der Erzeugungskapazitäten in den nächsten Jahren gewährleistet werden. Hier fallen insbesondere zusätzlich geplante Wasserkraftwerke (2 WKW mit 6,5 GW am Rio Madeira, weitere WKW über 26 GW mit Durchführbarkeitsstudien) ins Gewicht. Die brasilianische Regierung ist bemüht, die Nutzung alternativer Energie zu entwickeln und fördert dies im Rahmen des Proinfra-Programmes. Ferner plant die Regierung den weiteren Ausbau von Atomkraft.

5.5.Finanzsektor
Der brasilianische Finanzsektor ist aufgrund der makroökonomischen Stabilität des Landes vergleichsweise gefestigt und weist ein erhebliches Wachstumspotential auf. Er wird stark durch nationale Finanzinstitute und den Wertpapiermarkt geprägt. Ausländische Institute haben sich im wesentlichen über Beteiligungen und Übernahmen im Finanzsektor etabliert. Der Banco Central do Brasil verfügt über die für eine Zentralbank üblichen geld- und währungspolitischen Instrumente und über ein relativ hohes Maß an Selbständigkeit. Öffentliche Banken spielen mit einem Anteil von 37 % am Kreditvolumen eine große Rolle, darunter die staatliche Geschäftsbank Banco do Brasil, die Caixa Econômica sowie die Banken der Einzelstaaten. Nationale Privatbanken sind mit 36 % beteiligt. Zu den größten brasilianischen Privatbanken zählen Bradesco, Itaú, Unibanco sowie Banco Real, die auch international operieren. Banken mit Auslandsbeteiligung stellen rd. ein Viertel des Kreditvolumens bereit. Die Indikatoren des brasilianischen Bankensektors sind stabil und weisen auf eine gute Ertragslage hin. Die Bedeutung des Bankensektors in der Wirtschaft ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Entsprechend erhöhte sich der Anteil der Bankenkredite am Bruttoinlandsprodukt von 22 % Ende 2002 auf 36% Anfang 2008. Aktien- und Anleihemarkt expandieren. Bovespa in São Paulo ist die größte und leistungsfähige Börse des Landes und die bedeutendste in ganz Lateinamerika. Der Aktienindex der Börse (IBOVESPA) stieg in den letzten zwei Jahren von 34.661 auf 67.468 (12.Juni 2008).

Internationale Kapitalbewegungen unterliegen keinen Beschränkungen.

6. Außenwirtschaftsbeziehungen

6.1. Außenhandel und Investitionen
Die brasilianische Außenwirtschaft hat in den letzten Jahren stark an Dynamik und Bedeutung gewonnen.. Gestützt von einer günstigen Weltkonjunktur und einer wachsenden Nachfrage auch aus den Schwellenländer haben die brasilianischen Exporte eine dynamische Entwicklung genommen. Sie stiegen in den letzten 5 Jahren im Jahresdurchschnitt jeweils um rd. 22 % und erreichten 2007 trotz Aufwertung des Reals $ 161 Mrd. Hierzu trugen sowohl industrielle Produkte (Transportgüter, Metallerzeugnisse etc.) als auch Rohstoffe (Erdöl, Erze, Soja etc.) bei. Trotz ebenfalls wachsender Importe – im Jahre 2007 $ 121 Mrd. – konnten deshalb erhebliche Handelsbilanzüberschüsse akkumuliert werden (2007: $ 40 Mrd.). Die Importe haben sich in jüngster Zeit angesichts der Währungsaufwertung und wachsender Binnennachfrage stark beschleunigt (2007: + 31%) und sind besonders bei langfristigen Konsumgütern und Kapitalgütern ausgeprägt. Letzteres weist daraufhin, dass die Produktionskapazitäten der brasilianischen Wirtschaft ausgebaut und modernisiert und damit Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Im Saldo der Dienstleistungsbilanz schlagen erhöhte Importe von Diensten und steigende Zins- und Gewinnüberweisungen zu Buche (2007: - $ 43 Mrd.). Angesichts verstärkter Importe an Gütern und Dienstleistungen sowie Überweisungen von Kapitalerträgen ist im laufenden Jahr 2008 mit einem verringertem Handelsbilanzüberschuss und einem negativen Leistungsbilanzsaldo zu rechnen. Im Zeitraum Januar bis Mai 2008 war der Handelsbilanzüberschuss entsprechend mit $ 8,7 Mrd. etwa halb so groß wie im Vorjahr (Exporten $ 72,0 Mrd., Importe $ 63,4 Mrd.) und der Leistungsbilanzsaldo fiel mit - $ 14 Mrd negativ aus. Die im internationalen Vergleich weiterhin hohen inländischen Zinssätze und ein fallendes Länderrisiko haben den Kapitalzufluss von Portfolio-Investitionen aus dem Ausland begünstigt. Sie erreichten 2007 einen Nettowert von $ 48 Mrd. Aber auch die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2007 mit $ 35 Mrd. auf einem Rekordniveau, wobei ein besonders starkes Engagement in der Basismetallurgie stattfand. Von Januar bis April 2008 legten die Direktinvestitionen weiter um $ 12,7 Mrd. zu und kompensieren in etwa das Leistungsbilanzdefizit der gleichen Periode. Angesichts günstiger Rahmenbedingungen und steigender wirtschaftlicher Aktivitäten zählt Brasilien weltweit zu den bevorzugten Investitionsländern (nach UNCTAD weltweit an 5. Stelle).
Die erheblichen Devisenzuflüsse aus dem Handels- und Kapitalverkehr haben zu einem deutlichen Anstieg der Währungsreserven des Landes geführt. Sie erreichten nach Angaben der Zentralbank im April 2008 rd. $ 196 Mrd. Die Auslandsverschuldung betrug zum gleichen Zeitpunkt $ 200 Mrd. und wird durch die angesammelten Devisenreserven aufgewogen . Das Gewicht der Auslandsverschuldung – in der Vergangenheit immer einer der neuralgischen Schwachpunkte des Landes – hat sich in den letzten Jahren deutlich reduziert. Ihr Anteil am BIP ist von 42 % im Jahre 2002 auf 15 % Ende 2007 stark gesunken. Der Risikoaufschlag für das Länderrisiko (Spread) ist entsprechend an den internationalen Finanzmärkten deutlich gefallen. Im April/Mai 2008 wurde dem Land von den maßgeblichen internationalen Ratingagenturen ein „Investmentgrad“ erteilt. Dadurch ist das Land für ausländisches Kapital, insb. auch institutionelle Investoren, noch attraktiver geworden. Das brasilianische Finanzministerium plant derzeit analog zu anderen Schwellen- und Erdölländern die Schaffung eines staatlichen Fonds für Auslandsinvestitionen (Fundo Soberano do Brasil, FSB) mit einem Kapitalstock von $ 10-20 Mrd., der aus Devisenüberschüssen/Überschüssen des Primärhaushaltes gespeist werden soll.

6.2. Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland
Deutschland ist der wichtigste europäische Handelspartner Brasiliens. Er ist mit 7 % an den Gesamtimporten und 5,4 % an den Exporten beteiligt. Deutsche Ausfuhren (+ 13 %) und Importe (+22%) mit Brasilien wiesen auch 2007 eine dynamische Tendenz auf. Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter nach Brasilien sind KfZ und KfZ-Teile, chemische Produkte und Maschinen. Auf der Importseite fallen Eisenerze, Fahrzeuge, Kaffee, Soja- und Fleischexporte besonders ins Gewicht.
Die deutschen Direktinvestitionen erreichten Ende 2007 nach Angaben der brasilianischen Zentralbank einen Bestand von rd. $ 12 Mrd., wobei die umfangreichen Re-Investitionen und Direktinvestitionen über Drittländer nicht berücksichtigt sind. Nach Schätzungen der deutschen Außenhandelskammern überschreiten die gesamten deutschen Direktinvestitionen in Brasilien $ 22 Mrd. In den letzten 7 Jahren belief sich der registrierte jährliche Zustrom an deutschen Direktinvestitionen durchschnittlich auf $ 850 Mio, er stieg im Jahre 2007 auf € 1,8 Mrd. an. Deutsche Investoren waren weniger aktiv beim brasilianischen Privatisierungsprozess der letzten Jahre beteiligt. Sie sind in der verarbeitenden Wirtschaft aber weiter spürbar präsent. Deutliche Schwerpunkte sind hier die Automobilindustrie, Chemie, Maschinenbau und der Stahlsektor. Interessante neue Ansatzpunkte bieten sich beim industriellen Umweltschutz, erneuerbaren Energien und im agroindustriellen Sektor. Ca. 1.200 deutsch-brasilianische Unternehmen beschäftigen rd. 250.000 Menschen. Der Großraum São Paulo weist den größten wirtschaftlichen Ballungsraum deutscher Unternehmen außerhalb Deutschlands auf. Derzeit besteht kein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Brasilien.
Deutsch-brasilianische Handelskammern mit Sitz in São Paulo, Rio de Janeiro und Porto Alegre betreuen die Wirtschaftsbeziehungen, die auch durch die jährlich stattfindenden deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage Impulse erhalten (nächstes Treffen August 2008 in Köln). Das geringere Brasilienrisiko gestattete Mitte 2007 auch eine verbesserte Einstufung des Landes bei Hermes-Versicherungen (Kategorie 3).

7. Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die Wirtschaftspolitik der Regierung Lula zeichnet sich durch eine Stabilitäts-, Marktwirtschafts- und Weltmarktorientierung aus. Sie verfolgt eine fiskalische Disziplin, verbunden mit einer auf Inflationseindämmung gerichteten Geldpolitik. Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik der Regierung hat frühere Anfälligkeiten der brasilianischen Wirtschaft auch gegenüber externen Störungen sichtbar reduziert. Die Inflation konnte verringert, die Verschuldungsindikatoren gesenkt und die Außenwirtschaft gestärkt werden. Die Wirtschaftsperspektiven für die nächste Zeit sind positiv. Für die zweite Amtsperiode der Regierung Lula ab 2007 ist nach Sicherung der makroökonomischen Stabilität das Ziel eines verstärkten Wirtschaftswachstums in den Vordergrund gerückt. Das ist von großer Bedeutung für das ebenfalls angestrebte Ziel der Reduzierung von Armut und einer breiteren Beteiligung bisher benachteiligter Bevölkerungsschichten am Entwicklungsprozess. Das Programm zur Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums (PAC) soll durch verstärkte öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, insbesondere im Transport- und Energiesektor, die Grundlage für weiteres Wachstum sichern und ausbauen. Das Angehen weiterer Reformen in der Fiskal-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zur Steigerung von Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in der Wirtschaft ist geplant, jedoch durch komplexe Konstellationen im Kongress erschwert. So musste die Regierung Ende 2007 einen Rückschlag hinnehmen, als die Opposition im Kongress die Verlängerung der CPMF-Steuer auf finanzielle Transaktionen verweigerte und damit zunächst für 2008 ein Finanzloch in Höhe von $ 23 Mrd. in den Haushalt riss. Trotz Wegfall dieser Steuer konnten aber im bisherigen Verlauf des Jahres 2008 erneut erhebliche Steuerzuwächse erzielt werden (Januar bis April 2008 + 12,6 % gegenüber der Vorjahresperiode). Mit einer Steuerquote von 36 % des Sozialprodukts hat Brasilien im Vergleich zu vielen anderen Ländern mittleren Einkommensniveaus eine solide und real wachsende fiskalische Einnahmenbasis. Dies hatte es auch 2007 ermöglicht, trotz deutlich steigender Ausgaben des Bundes (+ 12%) den angestrebten Überschuss im öffentlichen Primärhaushalt (vor Zinsausgaben) von 3,8 % des BIP zu erreichen. Da sich die Zinslast angesichts eines fallenden Zinsniveaus auf 6 % des BIP verringerte, konnte das nominale Defizit auf 2,2 % des BIP begrenzt bleiben. Die Regierung hat die öffentliche Verschuldung seit Beginn ihrer Regierung im Jahre 2003 von 57,5 % des BIP auf 41 % (April 2008) reduzieren und die Schuldenstruktur verbessern können. Sie strebt für das Jahr 2008 einen Primärüberschuss im Haushalt von 4,3 % des BIP an. Damit sind die Aussichten für die weitere Haushaltsentwicklung weiter günstig.

8. Geld- und Währungspolitik

Die brasilianische Zentralbank hat in den letzten Jahren eine erfolgreiche Politik der Inflationseindämmung geführt. Es gelang ihr, die Inflationsrate (gemessen am IPCA-Index) von 12,5 % p.a. zu Beginn der Regierung Lula (2003) auf 4,5 % im Jahre 2007 zu senken. Die Währungsaufwertung, steigende Importe und eingeschränkte Anpassungen bei Erdöl- und Erdgaspreisen durch Petrobras gaben dabei Hilfestellung. Begleitet war dies seit 2005 von einer Stufen weisen Rückführung des Basiszinssatzes (SELIC) von 25% p.a. auf 11,25 % p.a. und entsprechend fallenden Realzinsen, die mit ca. 8 % allerdings im internationalen Vergleich noch weiterhin recht hoch sind.
Steigende Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise haben im Jahr 2008 den Inflationsdruck verstärkt (Preisindex Mai 2008: 5,58%) und die Zentralbank veranlasst, den Basiszins bis Juni 2008 auf 12,25% anzuheben und damit ein deutliches Signal für eine restriktivere Geldpolitik zu geben. Dies soll dazu beitragen, das von ihr auch für 2008/2009 angestrebte Ziel einer Inflationsbegrenzung von ca. 4,5 % p.a. (mit Toleranz von +/- 2 Prozentpunkten) zu erreichen.
Die brasilianischen Währungsautoritäten lassen den Kurs der Währung (Real) im wesentlichen frei schwanken (flexibler Wechselkurs). Angesichts der gefestigten brasilianischen Außenwirtschaftssituation hat er sich in den letzten Jahren gegenüber dem US-$ deutlich ausgewertet, im Jahre 2007 allein um 21 % auf R$ 1,77/ US $ 1 Ende 2007 und weiter bis Juni 2008 auf 1,63. Hierzu trugen die Währungszuflüsse aus den Handelsbilanzüberschüssen und dem Zustrom von Auslandskapital bei. Die Aufwertung des Reals hat in der brasilianischen Wirtschaft Sorgen wegen der Wettbewerbsfähigkeit beim Export industrieller Güter und des erheblichen Importdrucks ausgelöst. Andererseits wirkt sich der Wettbewerbsdruck auch wieder kostensenkend, modernisierungsfördernd und damit leistungssteigernd in der Wirtschaft aus.

9. Entwicklungspolitik

Brasilien kann seine erheblichen Wachstumspotentiale – u.a. umfangreiche natürliche Ressourcen, engagiertes Humankapital, Innovationsfähigkeit, diversifizierte Wirtschaftsstruktur – einsetzen, um seinen weiteren Entwicklungsprozess voranzutreiben. Hierfür muss aber auch die wirtschaftliche Infrastruktur weiter ausgebaut werden, um die von der Regierung angestrebte Wachstumsrate von 5 % p.a. im Zeitraum 2008-2010 realisieren zu können. Entsprechend sieht das von der Regierung 2007 verkündete „Programa de Aceleração do crecimento (PAC)“ zum einen umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur von ca. R $ 504 Mrd. vor. Der größte Teil der Mittel soll dabei vom privaten Sektor kommen, der das bisherige Wachstum maßgeblich getragen hat, die übrigen Teile sollen von den Einzelstaaten und vom Bund erbracht werden. Mit 55 % soll der größte Teil der Mittel in den Energiesektor fließen, gefolgt von Verkehrsinfrastruktur und Logistik sowie sozialer Infrastruktur.
Der zweite Teil des Paketes beinhaltet eine Vielzahl von Maßnahmen zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung in den Bereichen Kredit, Investitionen, Steuern etc., mit denen Wachstum hemmende Faktoren administrativer, bürokratischer und juristischer Art abgebaut werden sollen.
Die Lebensbedingungen der brasilianischen Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren auf breiterer Basis verbessert: die Arbeitslosigkeit ist gesunken, die absolute und relative Armut hat sich reduziert, wozu auch der Ausbau des sozialen Netzes beigetragen hat. Da dennoch ca. 21 % der brasilianischen Bevölkerung weiterhin in Armut lebt, sind hier weitere Schritte dringend geboten. Die günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben der Regierung Lula zusätzliche Spielräume eröffnet, hier aktiv zu werden. Bei der Entwicklung des Landes hat aber auch die Frage einer nachhaltigen Bewirtschaft der natürlichen Ressourcen und der Schutzes der Umwelt eine große Bedeutung. Die großflächige Vernichtung von Tropenwäldern im Amazonas stellt eine erhebliche Gefahr für Eco-System, Klima und Wasserverfügbarkeit dar.

10. Perspektiven und Herausforderungen

Die Perspektiven für die brasilianische Wirtschaft sind angesichts der stabilen Binnen- und Außenwirtschaft sowie einer ausgewogenen Fiskal- und Geldpolitik günstig. Im sozialen Bereich hat der wirtschaftliche Aufschwung zu erhöhter Beschäftigung, breiteren und verbesserten Einkommen sowie einer Reduzierung von Armut beigetragen. Für den weiteren Entwicklungsprozess ist der quantitative und qualitative Ausbau der produktiven Kapazitäten der Wirtschaft unabdingbar. Hierfür sind Anhebung von Investitions- und Sparquoten, Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, Innovationen und Diffusion neuer Technologien wichtig. Hemmend wirken sich komplexe regulatorische Regelungen, Bürokratie, Mängel in Qualität und Effizienz öffentlicher Leistungen, Infrastrukturengpässe etc. aus. Daraus ergibt sich die Herausforderung die angestrebten Reformen im Fiskalsektor, bei den sozialen Sicherungssystemen und der Regierungsführung im Allgemeinen, einschließlich der Korruptionsbekämpfung, systematisch weiterzuverfolgen. Umfangreiche Investitionen im öffentlichen Infrastrukturbereich und im Bildungssektor sind unabdingbare Voraussetzungen für anhaltendes Wachstum. Trotz erreichter Verbesserungen sind Armut und Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung sowie beim Zugang zu den Produktionskräften weiterhin hoch. Ferner führen regionale Ungleichgewichte zu Störungen des Entwicklungsprozesses. Diese Probleme tragen zu sozialen Spannungen und Beeinträchtigungen der öffentlichen Sicherheit bei, welche die gesellschaftliche Kohärenz beeinträchtigen. Ebenso stellt eine umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung der Naturressourcen des Landes im Entwicklungsprozess weiter eine große Herausforderung dar.

 

 

Lateinamerika-Zentrum e.V.