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Geografie

Brasilien ist das größte Land Südamerikas. Es umfaßt mit einem Gebiet von 8.547.403,5 Quadratkilometern - das ist 24 mal so groß wie Deutschland - beinahe die Hälfte (47,3 Prozent) des südamerikanischen Kontinents. Nach der Russischen Föderation, Kanada, China und den Vereinigten Staaten ist es das fünftgrößte Land der Erde.

Brasiliens größte West-Ost-Ausdehnung von 4.319,4 Kilometern entspricht fast seiner größten Nord-Süd-Ausdehnung von 4.394,7 Kilometern. Dies entspricht in Europa etwa der Entfernung vom Nordkap bis Gibraltar oder von der Westspitze der Bretagne bis zum Ural.

Brasilien grenzt an zehn Nachbarstaaten: im Norden an das französische Übersee-Département Französisch-Guayana sowie die Länder Surinam, Guayana, Venezuela und Kolumbien; im Süden an Uruguay und Argentinien; im Westen an Paraguay, Bolivien und Peru. Ecuador und Chile besitzen als einzige Staaten des südamerikanischen Kontinents keine gemeinsame Grenze mit Brasilien. Brasiliens Küstenlinie entlang des Atlantiks erstreckt sich über eine Länge von 7.367 Kilometern. Mit seinen unmittelbaren Nachbarn verbindet Brasilien eine Grenze von 15.700 Kilometern.

Topografie

Brasilien läßt sich grob in zwei Großlandschaften einteilen: Das 4 Millionen Quadratkilometer große Amazonasbecken im Norden und das Hochplateau im Zentrum und Süden des Landes mit Durchschnittshöhen von 200 bis 1.000 Metern über dem Meeresspiegel. Vom Süden des Landes in Richtung Nordosten verlaufen hohe Gebirgsketten, die eine Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Binnenland bilden.

Brasiliens höchster Berg, der Pico da Neblina (3.104 m), liegt in der Serra do Imeri im Norden, nahe der Grenze zu Venezuela.

Brasiliens höchste Berge 

 

Name

Höhe/m

Pico da Neblina

3.104

Pico 31 de Março

2.992

Pico da Bandeira

2.889

Pico do Cristal

2.798

Pico das Agulhas Negras

2.787 

Flüsse

Hydrographisch wird Brasilien von zwei Stromsystemen bestimmt, dem Amazonas und dem Paraná-Paraguay.

Der Amazonas entspringt in den peruanischen Anden, wird ab der brasilianischen Grenze bis zur Einmündung des Rio Negro bei Manaus als Rio Solimões und dann als Amazonas bezeichnet. Er hat ein Einzugsgebiet von insgesamt 7,2 Mio. km2. Bei einer Gesamtlänge von über 6.500 km hat der Amazonas, der nach dem Nil zweitlängste Strom der Erde, über 200 größere Nebenflüsse, von denen 15 über 2.000 km lang sind. Durchschnittlich ist dieser wasserreichste Fluß der Erde 4-5 Kilometer breit, wobei er an seiner schmalsten Stelle (1,8 km) eine Wassertiefe von 100m erreicht. Stromaufwärts ist der Fluß über eine Länge von 3.885 Kilometern beschiffbar.

Das Paraná-Paraguay-Flußsystem durchfließt das Gebiet vom südwestlichen Teil des Bundesstaates Minas Gerais in südliche Richtung und erreicht in der Nähe von Buenos Aires über den Rio de la Plata den Atlantik. Insgesamt erstreckt sich das verzweigte Flußsystem auf eine Länge von 3.700 km. Das Paraná-Paraguay-System wird vom Rio Paraná, dem Rio Paraguay und dem Rio Uruguay gebildet. Sein Einzugsgebiet umfaßt 4 Mio. km2, von denen 1,4 km2 auf Brasilien entfallen.
Neben den beiden großen Stromsystemen ist der Rio São Francisco mit 2.900 km Länge der größte rein brasilianische Fluß.

Klima

Aus europäischer Perspektive sind die Jahreszeiten in Brasilien "umgekehrt". Die heißen Sommermonate liegen zwischen Oktober und März, der "Winter" zwischen Juni und August. Obwohl 92 Prozent des Landes in den Tropen liegen, leben über 60 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, in denen Höhe, Seewinde oder kalte Polarfronten die Temperatur mäßigen. Brasilien erstreckt sich über fünf verschiedene Klimazonen, einer äquatorialen, einer tropischen, einer feuchttropischen, einer trockentropischen und einer subtropischen Zone. Auf der Hochebene gelegene Städte wie São Paulo, Brasília und Belo Horizonte empfehlen sich durch ein angenehmes Klima von durchschnittlich 19 Grad Celsius. In den Küstenstädten Rio de Janeiro, Salvador und Recife dominiert ein warmes Klima, das jedoch durch die steten Passatwinde gemildert wird. Das subtropische Klima in den südbrasilianischen Städten Porto Alegre und Curitiba läßt sich mit dem subtropischer Zonen in Europa vergleichen.

Am heißesten ist es im brasilianischen Nordosten, wo in Trockenzeiten zwischen Mai und November häufig Temperaturen von über 38 Grad Celsius gemessen werden. Entlang der Atlantikküste von Recife bis Rio de Janeiro belaufen sich die Durchschnittstemperaturen auf 23 bis 27 Grad Celsius. Südlich von Rio sind die jahreszeitlichen Schwankungen ausgeprägter und die Temperaturunterschiede größer. Die Durchschnittstemperatur beträgt dort zwischen 17 und 19 Grad Celsius.

Durchschnittliche Niederschlagsmenge

Die größte Niederschlagsmenge innerhalb Brasiliens wird um die Amazonasmündung nahe der Stadt Belém sowie am Oberlauf des Amazonas gemessen. Dort betragen die Niederschläge bis zu 3.000 mm pro Jahr. Ein weiteres regenreiches Gebiet liegt am Rande der Gebirgshänge im Bundesstaat São Paulo. Der größte Teil des Landes weist jedoch mäßige Niederschlagsmengen zwischen 1.000 und 1.500 Millimeter pro Jahr auf, die vor allem während der Sommermonate von Dezember bis März fallen. Die Winter sind meist trocken.

Jahreszeiten

Die Jahreszeiten in Brasilien sind denen auf der nördlichen Halbkugel zeitlich entgegengesetzt.

Frühling

22. September bis 20. Dezember

Sommer

21. Dezember bis 20. März

Herbst

21. März bis 20. Juni

Winter

21. Juni bis 21. September

Vegetation

Die klimatischen und topographischen Unterschiede spiegeln sich in der Vegetation Brasiliens wider. Im Amazonasbecken und entlang der Atlantikküste, wo die Niederschlagsmengen hoch sind, wächst üppiger tropischer Regenwald mit großblättrigen immergrünen Bäumen. Der Regenwald zeichnet sich durch eine ungeheure Pflanzenvielfalt aus. Er beherbergt mindestens fünfzig Prozent aller Arten unseres Planeten, auf einem Hektar kommen mehr Baumarten vor als in ganz Europa. Im Tiefland und auf den Plateaus der Ostküste, wo geringere Niederschläge fallen und die Trockenzeit überwiegt, herrscht eine Art Laubwald vor. Hier sind die Bäume, die in der trockenen Jahreszeit ihre Blätter verlieren, kleinwüchsiger als im Regenwald. Im halbtrockenen Nordosten überwiegt die Caatinga, ein trockenes Buschland. Den Großteil Zentralbrasiliens überzieht eine als Cerrado bezeichnete Savannenvegetation. Charakteristisch für diese besondere Landschaftsform sind spärliche Baumgruppen, Gebüsch und eine gegen Dürre resistente Grasflur. Im Süden ist das Hochland mit Schirmtannen (Paraná-Pinie oder Araucária) bewaldet, während Gras die Ebenen in Meereshöhe bedeckt. Das Mato-Grosso-Sumpfland (Pantanal Mato-Grossense), eine 230.000 Quadratkilometer umfassende Ebene im westlichen Teil Zentralbrasiliens, weist überwiegend Grasland sowie verstreut wachsende Bäume auf und ist in der Regenzeit überschwemmt.

Fauna

Elf von zwölf in den Tropen der westlichen Hemisphäre lebenden Säugetierordnungen sind in Brasilien mit über 600 Arten vertreten, darunter verschiedene Raubkatzenarten wie der Jaguar und der Puma, der Jaguarundi und der Ozelot.

Zu den heimischen Säugetieren gehören darüber hinaus: Faultier, Ameisenfresser, Tapir, Gürteltier, Delphin, Capybara (ein bis zu 66 Kilogramm schweres, im Wasser lebendes Nagetier) und 30 Affenarten.

Kein Land der Erde bietet eine größere Vogelvielfalt als Brasilien mit seinen 1.600 Vogelarten, darunter viele Arten von Papageien.

Auf brasilianischem Territorium leben zahlreiche Arten von Schildkröten (40), Eidechsen (120), Schlangen (230), Alligatoren (5), Amphibien (331) und Süßwasserfischen (1.500). Über hunderttausend Spezies wirbelloser Tiere konnten bisher registriert werden, darunter über 70.000, die zu den Insekten gehören.

Die Wälder des Amazonasgebiets beherbergen der Welt größtes Reservoir an biologischen Organismen. Niemand weiß ihre Zahl genau, doch Wissenschaftler schätzen, daß in diesem Gebiet zwischen achthunderttausend und fünf Millionen Arten heimisch sind, fünfzehn bis dreißig Prozent aller Spezies der Erde. Bei der Erfassung neu entdeckter Arten von Süßwasserfischen kamen die Naturwissenschaftler zu der Überzeugung, daß in den Flüssen und Seen des Amazonasbeckens bis zu dreitausend Fischarten leben.

Bodenschätze

Brasilien ist reich an Bodenschätzen. Noch immer werden seine Ressourcen systematisch erfaßt. Das Land verfügt über Eisenerzreserven, die sich auf geschätzte 48 Milliarden Tonnen belaufen, von denen 18 Milliarden Tonnen in den Carajás-Bergen (Serra dos Carajás) im Osten des Amazonasgebiets liegen. Die Carajás-Mine produziert seit 1985. Die bereits bekannten Vorkommen reichen aus, den Weltbedarf an Eisen (berechnet auf der Grundlage des heutigen Verbrauchs und des voraussichtlichen Wachstums) über die kommenden 500 Jahre zu decken. Darüber hinaus besitzt Brasilien bereits ausgewiesene Reserven von 208 Millionen Tonnen Mangan, zwei Millionen Tonnen Bauxit sowie 53 Millionen Tonnen Nickel, die sich nach der Entdeckung weiterer Lagerstätten im Staat Goiás auf über 400 Millionen Tonnen belaufen könnten. Von Bedeutung sind auch die neuesten Funde von hochprozentigem (1,3 %) Uranerz in den Staaten Minas Gerais und Goiás. Brasilien verfügt über Reserven an Kalium, Phosphat, Wolfram, Kassiterit (Zinnstein), Blei, Graphit, Chrom, Gold, Zirkonium (ein flexibles Metall mit vielfältigen industriellen Nutzungsmöglichkeiten) sowie über Reserven des seltenen radioaktiven Elementes Thorium. Neunzig Prozent aller Edelsteine der Welt, wie Diamanten, Aquamarine, Topase, Amethyste, Turmaline und Smaragde, werden in Brasilien gefördert. Ab Ende 2005 ist Brasilien Selbstversorger mit Erdöl; es wird vor er Atlantikküste gefördert.

Bevölkerung

2004 nahm Brasilien unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt mit einer Einwohnerzahl von 172 Millionen nach China, Indien, den USA, Indonesien und den GUS-Staaten den sechsten Rang ein. Die brasilianische Bevölkerung ist überwiegend jung. Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt.

Seit 1970 erlebt Brasilien eine dramatische Veränderungen der Bevölkerungsstruktur. Der Trend läßt sich im wesentlichen auf einen massiven Verstädterungsprozeß und die Modernisierung der Volkswirtschaft zurückführen. Belief sich die Geburtenrate in den sechziger Jahren noch auf 6,3 Kinder pro Frau, fiel sie in den achtziger Jahren auf 4,4. Die derzeitige Lebenserwartung von 64,4 Jahre für Männer und 70,9 Jahre für Frauen wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf 80 Jahre ansteigen.

Damit wird sich die jährliche Wachstumsrate von 2,9 Prozent in den sechziger Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich rund 1 Prozent vermindern.

Verteilung der Bevölkerung

Obwohl Brasilien seiner Bevölkerungszahl nach in der Welt an sechster Stelle liegt, ist seine Bevölkerungsdichte im Vergleich zu anderen Ländern niedrig (18,4 Einwohner/km2). Die Mehrheit der Brasilianer hat sich entlang der atlantischen Küste in den südöstlichen und nordöstlichen Bundesstaaten angesiedelt. Heute leben über 75 Prozent der Brasilianer in den Städten.

Die Industrie konzentriert sich auf die südöstliche Region, wo allein im Staat São Paulo 50 Prozent aller Güter produziert werden. Seit 1970 läßt sich eine verstärkte Abwanderung aus dem Nordosten in den Südosten und aus den ländlichen Regionen in die Städte verfolgen. In jüngster Zeit jedoch hat die Migrationsbewegung ihre Richtung geändert; Ziele sind die weniger besiedelten Gegenden im Mittelwesten und Norden des Landes.

Ethnische Herkunft

Die Bevölkerung Brasiliens stammt im wesentlichen von drei Ethnien ab: den indianischen Ureinwohnern, den nach und nach eingewanderten Europäern (zumeist Portugiesen) und von Afrikanern (überwiegend aus den westlichen Küstengebieten südlich der Sahara).

Im 16. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Brasilien von mehreren hundert einheimischen Indianervölkern bewohnt, die trotz ihrer ethnischen Verwandtschaft verschiedene Idiome sprachen und unterschiedliche Kulturen pflegten.

Heute beläuft sich die Zahl der Indianer auf etwa 250.000. Sie lassen sich in etwa 200 Gruppen unterteilen und sprechen etwa 180 verschiedene Sprachen. Den Indianern wurde von der brasilianischen Regierung ein riesiges Gebiet zur Verfügung gestellt, das mit 850.000 Quadratkilometer zehn Prozent der gesamten Fläche Brasiliens ausmacht. Auf diesem Territorium, das insgesamt beinahe die zweieinhalbfache Größe der Bundesrepublik Deutschland umfaßt, können die Indianer ihre Lebensart bewahren.

Seit sich im Jahre 1818 die erste größere Gruppe deutscher Einwanderer im Süden Bahias niederließ, sind etwa 310.000 Deutsche - überwiegend aus dem Hunsrück, von der Mosel und aus Pommern - nach Brasilien ausgewandert. Ab 1820 war Rio Grande do Sul ein Hauptziel neuer Einwanderungsströme aus Deutschland. Bevorzugte Siedlungsgebiete waren die Flußtäler des Rio Caí und des Rio dos Sinos. 1824 gründeten die deutschen Immigranten die Stadt São Leopoldo. Zwischen 1850 und der Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 verstärkte sich die deutsche Zuwanderung. Die Neuankömmlinge siedelten nun auch in der Küstenregion von Santa Catarina und im Tal des Rio Itajaí und gründeten 1850/51 Dona Francisca (das heutige Joinville), 1854 Blumenau und 1870 Brusque. Hier errichteten sie kleine industrielle Fertigungsbetriebe für Textilien und Keramik.

Heute wird die Zahl der deutschstämmigen Brasilianer auf etwa 5 Millionen geschätzt. Sie leben über das ganze Land verteilt, insbesondere aber im Süden und Südosten.

Die größten Städte

Brasília
(Einwohner: 1,8 Mio.)

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erwogen die Regierungen des Landes mit unterschiedlichem Engagement, den Regierungssitz von Rio de Janeiro ins Binnenland zu verlegen, um vor Angriffen von der Seeseite aus sicher zu sein. Die erste Verfassung der Republik (1891) legte bereits fest, daß der zukünftige Regierungssitz in einem Rechteck im Staat Goiás, dem Herzen des Landes errichtet werden sollte. Doch erst nach achtjährigen Vermessungsarbeiten begann man 1956 unter Präsident Juscelino Kubitschek mit der eigentlichen Planung und dem Bau der neuen Hauptstadt. Brasília liegt im 5.814 Quadratkilometer großen, aus dem Staat Goiás herausgetrennten Bundesdistrikt auf einem dünn besiedelten, 1.100 Meter hohen Plateau, 1.200 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt. Den für die Gesamtgestaltung der Hauptstadt ausgeschriebenen Wettbewerb gewann der brasilianische Architekt und Städteplaner Lúcio Costa. Der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer entwarf die wichtigsten Regierungsgebäude. Der Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx plante die städtischen Anlagen und brachte als Kontrast zur trocken-gelben Savannenvegetation der Umgebung sattes Grün in die neue Hauptstadt, die am 21. April 1960 offiziell eingeweiht wurde.

São Paulo
(Einwohner: 16,6 Mio.)

São Paulo wurde 1554 von Jesuiten als Missionszentrum für die frühen Siedler und für die in der Gegend lebenden Indianer gegründet. Die Stadt liegt 760 Meter über dem Meeresspiegel auf einer Hochebene, nur 72 Kilometer von der Küste entfernt. Viele Jahre lang blieb São Paulo eine kleine Gemeinde. Erst seit 1850 blühte die Stadt dank der ertragreichen Kaffeeplantagen auf. Einkünfte aus dem Kaffee-Export sowie eine steigende Bevölkerungszahl lieferten dann später Kapital und Arbeitskräfte für die Gründung eines Industriestandorts. Heute konzentrieren sich in der Stadt und ihrer engeren Umgebung über zwanzigtausend Produktionsbetriebe jeglicher Art und Größe mit insgesamt sechshunderttausend Beschäftigten. Außerdem hat sich São Paulo mit nahezu 2.000 Bankfilialen zu einem Finanzzentrum entwickelt.

Rio de Janeiro
(Einwohner: 10,2 Mio.)

Mit der feierlichen Einweihung Brasílias verlor Rio de Janeiro seine Hauptstadtfunktion. Auch heute noch wird darüber debattiert, ob die Verlegung des Regierungssitzes für Rio de Janeiro günstig oder ungünstig war. Jedenfalls stellt die zweitgrößte Stadt Brasiliens weiterhin ein bedeutendes kulturelles Zentrum dar und ist aus diesem Grunde gewissermaßen die "gefühlsmäßige" Hauptstadt des Landes geblieben.

Rio de Janeiro ist von majestätischer Schönheit. Die Wohnviertel liegen eingebettet zwischen der prächtigen Guanabara-Bucht, atemberaubenden Stränden und steil ansteigenden, von Tropenwald bedeckten Bergen. Diese einzigartige Landschaft trug Rio zu Recht den Beinamen "Wunderbare Stadt" ("Cidade Maravilhosa") ein.

Vielfalt und Intensität charakterisieren das kulturelle Leben der Stadt. Wirtschaftlich entwickelte sie sich zu einem Dienstleistungs- und Finanzzentrum und zu einem wichtigen Industriestandort (Lebensmittel, Baustoffe, Elektrogeräte, Chemikalien, Arzneimittel, Getränke und Textilien). Doch was Rio für Einheimische wie Touristen so außergewöhnlich anziehend macht, ist sein buntes Angebot zur Freizeitgestaltung und Erholung, sind die weltbekannten Strände (wie Copacabana und Ipanema), die herrliche Bucht von Guanabara, die zu den schönsten der Welt gehört, und das wunderbar warme Klima, in dem nur Frühling und Sommer herrschen.

Salvador
(Einwohner: 2,8 Mio.)

Die heutige Hauptstadt des Staates Bahia, Salvador, war der erste bedeutende Hafen und fast zweihundert Jahre lang Hauptstadt des kolonialen Brasilien. Die Stadt liegt zwischen tropisch-grünen Hügeln und breiten Stränden entlang der Baía de Todos os Santos (Allerheiligenbucht). Sie ist auf zwei Ebenen angelegt: Die Verwaltungsgebäude und Wohngebiete wurden auf dem Hügelland errichtet, die Festungsanlagen, Docks und Lagerhäuser dagegen in den Strandgebieten. Bis heute ist Salvador in eine Ober- und eine Unterstadt geteilt. Von 1500 bis 1815 blieb Salvador der betriebsamste Hafen des Landes. Ein Großteil des Zuckers aus dem Nordosten sowie Gold und Diamanten aus den Bergwerken des Südens nahmen ihren Weg über Salvador. In diesem für die Stadt "Goldenen" Zeitalter entstanden prächtige Wohnhäuser und Kirchen mit üppigem Goldschmuck. Viele der Barockkirchen, Privathäuser, öffentlichen Plätze und sogar die von Hand behauenen Pflastersteine sind als Teil des brasilianischen Kulturerbes erhalten geblieben.

Deutlicher als irgendwo sonst im Land ist in Salvador der afrikanische Einfluß auf die brasilianische Kultur spürbar geblieben: Von den scharf gewürzten Speisen, die immer noch mit ihren afrikanischen Namen (Caruru, Vatapá, Acarajé) bezeichnet werden, über die Candomblé-Zeremonien zu Ehren afrikanischer Gottheiten und katholischer Heiliger gleichermaßen, bis zu den Capoeira-Schulen, in denen eine einzigartige afrikanische Form des rituellen Kampfes gelehrt wird.

Belo Horizonte
(Einwohner: 3,8 Mio.)

Belo Horizonte, die erste Stadt Brasiliens, die auf dem Reißbrett entstand, wurde eigens als Hauptstadt des Staates Minas Gerais entworfen. Die Schönheit ihrer breiten, baumbestandenen Alleen und ihrer sorgfältig geplanten Vororte ist jedoch von dem allgemeinen Verstädterungsprozeß des Landes beeinträchtigt worden. Belo Horizonte hat sich zum Verteilungs- und Verarbeitungszentrum einer an Landwirtschaft und Bergbau reichen Region und zum Mittelpunkt einer expandierenden Industrie entwickelt. Produziert werden hauptsächlich Stahl, Stahlprodukte, Kraftfahrzeuge und Textilien. Daneben werden Gold, Mangan und Edelsteine aus dem Umland weiterverarbeitet. Darüber hinaus ist Belo Horizonte mit drei Universitäten, seinem Historischen Museum, einer Vielzahl von Bibliotheken und Sportstadien auch ein führendes Kulturzentrum. Das Klima ist angenehm erfrischend und kühl.

Curitiba
(Einwohner: 2,5 Mio.)

Curitiba, die Hauptstadt des aufblühenden Staates Paraná, wurde in 914 Meter Höhe auf der Hochebene der Serra do Mar erbaut. Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben das frische Klima und die malerische Lage der Stadt Einwanderer slawischer, deutscher und italienischer Herkunft angezogen. Curitiba wächst seit 1950 rapide. Doch trotz der raschen Entwicklung zur Großstadt hat es Curitiba verstanden, seine Lebensqualität zu wahren und gilt als Modell für eine gelungene Verkehrs- und Umweltpolitik. Ihren Wohlstand verdankt die Stadt ihrer Funktion als Handels- und Verarbeitungszentrum für die expandierende Land- und Viehwirtschaft des Hinterlandes.

Recife
(Einwohner: 3,1 Mio.)

Recife wurde als Hafen entlang weißer, von tropischen Palmen gesäumter Sandstrände angelegt und leitet seinen Namen von den der Küste vorgelagerten Korallenriffen ab. Die schnell wachsende Metropole und heutige Hauptstadt des nordöstlichen Staates Pernambuco ist von vielen Wasserwegen durchzogen und durch zahlreiche Brücken verbunden und wird deshalb auch als das "Venedig Brasiliens" bezeichnet. Zum Fang auf offener See fahren die einheimischen Fischer in ihren nur mit großem Geschick zu manövrierenden Jangadas aus, den groben Holzflößen, die mit wunderschönen, für diese Gegend typischen Segeln ausgestattet sind. Recife ist Exporthafen für Zucker, Baumwolle und Kaffee.

Porto Alegre
(Einwohner: 3,3 Mio.)

Porto Alegre, Hauptstadt des Staates Rio Grande do Sul, ist die größte Stadt im Süden Brasiliens. Sie wurde 1742 von Einwanderern von den Azoren gegründet. Seit dem 19. Jahrhundert ließen sich dort auch zahlreiche deutsche und italienische Siedler nieder. Aufgrund der günstigen Lage am Zusammenfluß von fünf Flüssen hat sich Porto Alegre zu einem bedeutenden Hafen und einem der großen Industrie- und Handelszentren Brasiliens entwickelt. Erzeugnisse des an Agrar- und Weidewirtschaft reichen Hinterlandes, wie Leder, Rindfleischkonserven und Reis, werden über Porto Alegre bis nach Afrika und Japan exportiert.

Sprache

Die offizielle Landessprache Brasiliens ist Portugiesisch. Mit Ausnahme der Idiome, die von Indianerstämmen in Reservaten gesprochen werden, ist Portugiesisch Umgangssprache. Regionale Dialekte existieren nicht, wobei indigene Sprachelemente häufig Einfluß auf regionale Sprechweisen genommen haben. Brasilien ist das einzige Land Südamerikas, in dem portugiesisch gesprochen wird. Mit einer Rechtschreibreform, auf die sich alle portugiesischsprachigen Länger derzeit einigen, soll eine größere Einheitlichkeit des Schriftportugiesisch garantiert werden.

Religion

Die brasilianische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Mit der Ausrufung der Republik im Jahre 1889 gab es keine Staatskirche mehr. Dennoch erklärten 1996 rund 83 Prozent der Bevölkerung ihre Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche. In jüngster Zeit ist die Zahl der protestantischen Gruppen in Brasilien gestiegen. Unabhängige Kirchen der Pfingstbewegung können sich auf eine ansehnliche Mitgliederzahl stützen. Auch die etablierten, in Europa und den USA entstandenen protestantischen Gemeinden der Episkopalkirche, der Methodisten, Lutheraner und Baptisten haben ihre Anhängerschaft.

Candomblé wurde vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von den Yoruba-Sklaven aus Nigeria und Benin in Brasilien eingeführt. Heute nehmen zahlreiche Brasilianer aus allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schichten sowohl an christlichen Gottesdiensten als auch an Candomblé-Ritualen teil. Schätzungen gehen davon aus, daß nahezu 70 Mio. Brasilianer Candomblé praktizieren. Wichtigster Festtag der Candomblé-Anhänger ist der Meeresgöttin Iemanjá gewidmet, er wird in Bahia am 2. Februar begangen. Umbanda, ein Kult, der sich aus Candomblé entwickelt und mit christlichen und spiritistisch-kardecistischen Vorstellungen vermischt hat, ist ebenfalls weit verbreitet.

 

Lateinamerika-Zentrum e.V.